Zum ersten mal in gemeinsamer Ausstellung:
Die Lochkamerarbeiten an den spanischen Jakobswegen
von Günter Derleth und Sven Nieder.

Ausstellungseröffnung am Sonntag, den 5. Dezember 2010 um 11:30 Uhr
im Wiedenbrücker Schule Museum, Rheda-Wiedenbrück.

Begrüßung Burkhard Schlüter
Einführung Dr. Christoph Schaden

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Wege verändern das Sehen. Wenn sie begangen werden, setzen die Wegeläufe einen Prozess in Gang, der im Menschen unweigerlich zu einer inneren wie äußeren Entschleunigung führt. Hierbei ist der kollektive Mechanismus so simpel wie einprägsam. Denn mit jedem Schritt wird der menschliche Blick langsamer. Er nimmt am Wegesrand erst das Wesentliche wahr und nimmt sich endlich einmal eine Zeit des Sehens. Eine Zeit, die ihm seine Physis gewährt. Sicher mag man in dieser geerdeten Rezeptur der menschlichen Fortbewegung den Grund für die beispiellose Renaissance der Jakobswege finden. Hierbei liefern die spanischen caminos eine ideale Matrix zu einer vormals vergessenen Kultur des Gehens, die heute als geradezu spirituell erlebt wird. »Leben wie Zeit bildeten den Maßstab der Pilgerreise und dazu waren sie da,« schreibt der Soziologe Zygmunt Bauman. Auf den linearen Wegeläufen, die in Santiago de Compostella enden, werden die existentiellen Parameter von Zeit und Leben für Tausende wieder erkennbar. Günter Derleth und Sven Nieder haben, ohne voneinander zu wissen, im Jahre 2003 den Camino Frances und den Camino Mozzarabe mit der Camera Obscura erkundet. Das archaische Instrument, das fast so alt ist wie die Folie der Pilgerwege selbst, gewährte ihnen jene Freiheit, auf visueller Ebene eine Entsprechung zur eigenen Sehund Geherfahrung zu finden. Ihre Bilderkundungen zeugen denn auch eindrucksvoll von ebenso tiefem Ernst wie tiefer Gelassenheit. Beide Erfahrungen sind untrennbar mit dem Gehen verbunden. Denn Wege verändern das Sehen. Dr. Christoph Schaden