Eigentlich wollte ich ja wirklich mal Urlaub machen und als echter Tourist das Land erleben. Nur die kleine Lumix LX-3 war im Gepäck nach Italien. Klar, wer die Vatikanischen Museen in Rom besucht macht auch ein Erinnerungsbild. Oder zwei. Oder drei. Dann ist aber auch gut. SNieder_090805_P117_qndDachte ich. Ehrlich gesagt, war ich überrascht welche Aussmaße die inzwischen omipräsente Fotografie angenommen hat. Jaja, schon klar – ich bin nicht von gestern und weiß das es keine Mobiltelefone mehr ohne Kamera gibt. Aber in Rom wurde mir aus unerfindlichen (oder offensichtlichen) Gründen die ganze Tragweite bewusst. In den 90ern habe ich bereits auf der Photokina in Köln regelmässig fotografierende Menschen fotografiert und in den ersten Jahren diese Jahrtausends war ich mir sicher, das die 15 Kilo Ausrüstung für den Amateur Vergangenheit ist. Aber es scheint offensichtlich für leicht bis schwer ÜbergewichtigeSNieder_090806_P336_qnd Männer wirklich wieder en Vouge zu sein, sich schwitzend mit drei bis vier Kilo Kameraequipment den Petersdom hinufzuschleppen um oben schwer atment ein paar hundert Bilder pro Sekunde zu schießen. Nicht mal die Familie wird mehr gebeten ihr bestes zu geben – als Statussymbol „ich war hier“ sozusagen. Da prügelt man sich darum – ganz nach dem Vorbild der Sensationsreporter – genau die Bilder zu schießen, die hunderte vorher am gleichen Tag genau so auch schon gemacht haben. So was nennt man wohl Aktivurlaub 😉

Ein Erlebnis fand ich aus soziologischer Sicht besonders interessant. Eine Frau mit kleiner digitaler Kamera betritt in den Vatikanischen Museen einen Raum mit beeindruckendem Deckenfresko. Der Blick gesenkt auf den LCD Monitor. SNieder_090805_P080_qndMehr oder weniger galant zielt sie, den Blick stets auf den LCD Monitor gerichtet, auf die Decke und drückt den Auslöser. Die Kamera schickt den „Anti Rote Augen Vorblitz“, die Dame, immer noch auf den Monitor fixiert, zieht die Kamera herunter. Während der Blick auf den Ausgang schielt und sie anstalten macht auf denselbigen zuzugehen, löst die Kamera den echten Blitz aus und macht das Foto in Richtung Fußvolk. Die Frau ist wohl schon im Ausgang verschwunden bevor das Bild auf die SD Karte geschrieben wurde. Gesehen haben kann sie – außer dem LCD Monitor – nichts.

Wie gesagt, haben mich fotografierende Menschen fotografisch schon lange interessiert und gelegentlich auch inspiriert. In Rom hat es mich noch mal gepackt. SNieder_090805_P217_qndVielleicht liegt es an den bezaubernden Deckenfresken, die offensichtlich ungeübte Yogis zur vollführung unglaublicher Asanas ermutigen. In jedem Fall ist es ein interessantes Motiv.

Erkentniss am Ende auf die Frage, wie man Menschen am einfachsten dazu bekommt, sich im Petersdom hinzuknien: Gibt ihnen Digitalkameras in die Hand!

Da leuchtet es plötzlich ein, warum man in der sixtinischen Kapelle nicht fotografieren darf.

Fotos: © Sven Nieder