In der Oktober Ausgabe des Magazins »Visionen« ist ein weiterer Artikel über die Sacred Fire Ceremony erschienen. Dr. Christoph Quarch zeichnet sich für den Text verantwortlich. Die Fotografien sind von mir.

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Angaangaq, Schamane und Ältester der Eskimos, ist sich sicher: „Erst wenn es uns gelingt, das Eis in den Herzen der Menschen zu schmelzen, wird ein Wandel möglich sein: ein Wandel, der uns in die Lage versetzt, dem Schmelzen des Großen Eises zu begegnen – den Folgen des Klimawandels gewachsen zu sein.“ Und als wollte das Große Eis den Worten des Schamanen Nachdruck verleihen, rollt ein donnerndes Dröhnen durch die Tundra: Wieder ist ein Eisblock aus der Zunge des Russels Glacier gebrochen, eines Eisstroms, der sich hier zwölf Kilometer vom Inland-Eis hinab in das grüne Hügelland Westgrönlands windet.

Es ist ein Sommertag im Juli 2009. Die Sonne, die hier in diesen Tagen nicht mehr untergeht, brennt auf ein Camp hernieder – 25 Kilometer östlich von Kangerlussuaq, dem einzigen Internationalen Flughafen der größten Insel der Welt. Eine denkwürdige Versammlung findet hier statt – hier, wo das ewige Eis endet; jetzt, da man sich nicht mehr sicher sein kann, ob es wirklich ewig ist. Das Dröhnen des Gletschers verrät es: Das Eis schmilzt.

Es schmilzt schnell. Zwanzig Zentimeter am Tag, sagt Angaangaq. Allein in den letzten zehn Jahren hat der Russels-Gletscher 40 Meter an Dicke eingebüßt. „Gleichzeitig steigt der Meerespegel.“ Angaangaq malt ein düsteres Szenario: „London wird versinken, Boston wird versinken, Bangladesch wird versinken, die Niederlande werden versinken; und niemand wird diesen Prozess aufhalten.“ Nur eines gebe es zu tun: „Wir müssen das Eis in den Herzen der Menschen schmelzen.“

Zitat aus dem Artikel Ein Feuer der Erde,
Visionen Ausgabe Oktober 2009